Dateiverschlüsselung mit Dropbox

Wer einen online Synchronisationsdienst wie Dropbox oder Ubuntu One nutzt, wünscht sich wahrscheinlich eine Möglichkeit seine Daten vor Ausspähung durch Dritte oder vor dem Zugriff durch den Provider zu schützen. Ein in einer Datei abgelegtes, verschlüsseltes Blockgerät mit dm-crypt bietet sich hier weniger an da dieses deutlich unflexibler zu handhaben ist, wenn sich die Speicherkapazität ändert. Außerdem würde bei jeder Änderung die ganze Container Datei Synchronisiert werden.

Eine Verschlüsselung auf Dateiebene empfiehlt sich hier durch die deutlich flexiblere Handhabung bei Änderungen der Speicherkapazität. Außerdem bietet sich die Möglichkeit, die verschlüsselten Daten auch ohne Eingabe das Passwort zu sichern bzw. zu Synchronisieren.

Als Lösung für Linux, FreeBSD und Mac OS X bietet sich das FUSE Dateisystem EncFS. Es verwendet das FUSE-Framework zum Transparenten verschlüsseln eines Verzeichnisses. Hierbei wird ein Verzeichnis für die verschlüsselten Daten (hier ~/Dropbox/.secure) in ein Zielverzeichnis (hier ~/Secure) gemountet. Beim ersten mounten des Verzeichnisses fragt encfs die gewünschten Optionen ab und mountet das Dateisystem. Anschließend können in dem Zielverzeichnisses Daten abgelegt werden – diese werden transparent Verschlüsselt und im Quellverzeichnis abgelegt. Beim zukünftigen mounten wird nur noch das Passwort abgefragt.

Die Einrichtung funktioniert wie folgt:

$> sudo aptitude install encfs
$> mkdir -p ~/Dropbox/.secure ~/Secure
$> encfs ~/Dropbox/.secure/ ~/Secure

Die erste Zeile für die Installation muss ggf. der eigenen Distribution angepasst werden. In Zukunft kann das Verzeichnis mit der folgenden Zeile gemountet werden:

$> encfs ~/Dropbox/.secure/ ~/Secure

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Homophobie ist voll schwul

Sprachlogische Überlegungen zu einem selbstbezüglichen Satz

Sticker: Homophobie ist voll schwul!
Ein Gastbeitrag von Wolfgang Scheel

Als beim Straßenfest auf dem Münchener CSD am 17.Juli 2010 Aufkleber mit der Aussage “Homophobie ist voll schwul” verteilt wurden, regte mich der geistreiche Satz zu nachfolgenden Überlegungen an:

Sprachwissenschaftlich und -logisch handelt es sich um einen selbstbezüglichen Satz, der in sich logische Widersprüche auslöst (klassischer Beispielsatz der alten Griechen: “Sokrates sagt: “Sokrates lügt.””).

Die widersprüchliche Selbstbezüglichkeit kann unter 2 Blickwinkeln gezeigt werden:

1. Inhalt und Form des Satzes

Der Inhalt (Aussage) des Satzes richtet sich gegen Homophobie. Die Form des Satzes ist aber gerade homophob, indem das Adjektiv “schwul” auf homophobe Weise im Sinne von “schlecht” verwendet wird.

2. Absicht des Sprechers und Aussage des Satzes

Die (inhaltliche Aussage-) Absicht des Sprechers widerspricht dem von ihm ausgesprochenen Satz, seiner Form: Der Sprecher will Homophobie kritisieren, aber bildet durch das Wort “schwul” für “schlecht” gerade einen homophoben Satz.

Im (formalen) Vorgang des Sprechens des Satzes macht der Sprecher das Gegenteil der (inhaltlichen) Aussage seines Satzes.

3.Die Synthese des Widerspruchs auf der Meta-Ebene des Hörers als Verstärkung der Satz-Aussage

Auf der dritten, sozusagen der Meta-Ebene des Hörers, auf der die widersprüchlichen Aspekte zusammenfinden und als Widerspruch deutlich werden, ist der Satz besonders wirkungsvoll, weil man in demselben Satz ein praktisches Beispiel für den (kritisierenden) Inhalt des Satzes dadurch gibt, dass die Form des Satzes gerade von dieser (kritisierten) homophoben Haltung geprägt ist. Kritisierende, negierende1 Sätze, die in sich ein Beispiel für das Kritisierte enthalten, beziehen sich in dieser Negation auf sich selbst2 und erzeugen dabei einen Widerspruch.

Der Preis, einen widersprüchlichen Satz formulieren zu müssen, ist das Ergebnis auf der Ebene des Hörers wert: Neben der allgemeinen, theoretischen Kritik der Homophobie im Satz bekommt der Hörer in demselben, kurzen Satz ein praktisches, abstoßendes Beispiel für das abgelehnte Fehlverhalten (durch das Wort “schwul” im Sinne von “schlecht”). Homophobie wird so besonders geistreich und wirkungsvoll entlarvt und argumentativ bekämpft. Der Hörer wird so noch besser überzeugt, Homophobie entsprechend der Aussageabsicht des Satzes abzulehnen.

1 Der Satz stellt eine Negation dar, insofern Homophobie negiert, kritisiert wird.
2 Der Sokratessatz oben ist ein weiteres Beispiel dafür.

Ein Gastbeitrag von Wolfgang Scheel.
© 2010 Wolfgang Scheel, Alle Rechte vorbehalten
Der Text wird ebenfalls in der nächsten Ausgabe von “Zeitschrift für schwule Theologie” erscheinen.
Vielen Dank an dieser Stelle!

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